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18.02.2013, 01:03

DayZ Blog: Allein sein auf Raten #4 - Schwere Last



Autor: Bastet


Wir sind bereits kurz vor Chernogorsk und selbst hier, ist nichts mehr so wie es war. Die Straßen sind leergefegt, zerstörte Autos stehen auf der Straße und die Spuren der Verwüstung machen sich selbst in jedem kleinsten Fleck dieser Stadt breit. Die Ratten durchkämmen den Müll nach Futter und beschließend letztlich sich von den toten Körpern die verstreut auf der Straße liegen zu ernähren, zu ihrem eigenen Pech. Wenn man bedenkt, dass Ratten organisch den Menschen sehr gleich sind, kann man sich vorstellen, was mit ihnen passiert. Die einen sterben an Vergiftungen, die anderen gehen aufeinander los und zerfleischen sich gegenseitig auf bestialische Art und Weise. So auch die Untoten, welche orientierungslos durch die Straßen kämmen. Wie lange mag ein solches Ungeheuer wohl überleben ohne zu essen? Diese Frage mag sich einfach beantworten, wahrscheinlich ewig. Wenn es normalerweise nicht einmal möglich ist ohne ein funktionierendes Gehirn zu leben, dann wird es für diese Figuren wohl auch nicht unmöglich sein ohne Nahrung, Wasser und andere nahrhafte Dinge über die Runden zu kommen. Mein Blick ist starr auf die Stadt gerichtet und ein Wind fegt an mir vorbei.

"Kommst du?", riss mich Marco aus meiner Tagträumerei.
"Ehm, ja... entschuldige... ich.."
"Ich weiß, wie du dich fühlst", unterbrach er mich und streckte mir seine Hand entgegen. Wir gehen langsam die weite Wiese herunter, bewachsen mit hohem Gras und einigen Blumen, vorbei an leerstehenden Häusern. Eigentlich ist diese Welt gar nicht so schlecht, die Natur breitet sich in vollen Zügen aus, so wie man sie nie zuvor gesehen hat. Sie scheint befreit und leicht zu leben, als hätte sie dies nie zuvor getan. Im Endeffekt sind diese Kreaturen besser als wir, wir Menschen. Die angeblich intelligentesten Lebewesen. Doch wir zerstören uns gegenseitig, nicht umsonst ist alles so gekommen, wie es jetzt ist. Wir haben versucht alles an uns zu reißen, die Welt -besser- zu machen, Dinge zu erfinden die das Leben erleichtern. Doch wenn man dieses ganze Szenario beobachtet merkt man etwas. Sie fressen sich nicht gegenseitig, lassen sich in Ruhe, geben allem irgendwie die Chance sich neu zu entfalten. Nie war der Wind in den Wäldern und auf den Wiesen so frisch und rein, nie war das Wasser so klar, nie waren die Städte so ruhig. Wir gehen weiter auf die Stadt zu und werden vorsichtiger, leiser.

"Dort unten können wir nach Essen suchen und vielleicht finden wir in den Appartements irgendwas brauchbares", sagte er zu mir, "Du wartest hier, ich gehe vor. Pass auf, dass dir nichts passiert. Ich will nicht noch Jemanden verlieren." Ich setze mich hinter einen Baum und beobachte jeden seiner Schritte. Wie er sich bewegt und die Umgebung absichert. Ich glaube, ich kann noch viel von ihm lernen, wenn ich nur möchte. Plötzlich legt er sich hin, als hätte er etwas gehört und ich sehe wie ein Zombie direkt vor ihm den Weg entlanggeht. Sein Bein hinterherziehend und mit dem Kopf wippend schlendert er an ihm vorbei ohne ihn zu bemerken, bis er plötzlich wie aus dem nichts umfällt und sein Kopf auf dem Asphalt zerschellt. Marco richtet sich auf und geht mit schnellerem Schritt in eines der Appartements.

Es sind bereits einige Minuten vergangen, wo bleibt er nur? Hat es ihn erwischt? Was ist, wenn er meine Hilfe braucht? Was mache ich nur? Gerade wollte ich mich aufrichten und zu ihm gehen, als er auf dem Balkon des 3. Stockwerkes erscheint. Er winkt mich zu sich. Ich laufe die Wiese herunter hin zu den Appartements und gehe hinein.
"Was ist mit ihm passiert?", ich deute auf den Zombie welcher regungslos auf dem Asphalt liegt.
"Ich hab ihm ne Kugel verpasst. Ein Schuss zwischen die Augen und selbst die Dinger fallen um." entgegnete er. So leise? Ich habe keinen Schuss gehört. Besser ich nehme es einfach hin, anstatt ihn weiter zu fragen, sonst geht uns wertvolle Zeit verloren. Wir durchsuchen die Wohnungen nach nützlichen Utensilien und finden mehrere Konservendosen und Wasser. Marco bittet mich zu sich um ihm zu helfen. Wir packen uns das Nötigste ein und bereiten uns auf die sich langsam anbahnende Nacht vor. Hier zu verweilen wäre zu gefährlich. Beladen machen wir uns auf den Weg die Stadt zu verlassen, als plötzlich eine Horde Untoter auf das Industriegebiet zu rennt. Wie besessen laufen sie von jedem Winkel der Stadt auf einen Punkt zu.

Ein lauter Schrei erhallt und Schüsse fallen. 1, 2, 3, 4, als würde es nicht mehr aufhören.
"STERBT IHR MISSGEBURTEN!", schreit eine dunkle raue Stimme aus dem Gebiet. Marco bittet mich zu warten und folgt der Horde in Richtung der fallenden Schüsse. Ich habe Angst, dass auch er nicht mehr zurückkommt und schleiche ihm hinterher. Soll dies schon unser Ende sein? Marco schleicht weiter bis ein Schuss in seine Richtung fällt. Er schmeißt sich hinter ein paar aufeinandergestapelte Betonplatten und wartet auf einen weiteren Schuss.
"Na?! Willst du auch so Enden wie die hier?!", der fremde schmeißt einen Kopf in Marcos Richtung und fängt laut an zu lachen. Weit und breit ist kein Untoter mehr zu sehen. Ich fange wieder an zu zittern. Was ist bloß aus den Menschen geworden? Wie kann man sein Leben so gleichgültig behandeln, sich einer solchen Gefahr auszusetzen. Selbst dieser Mensch muss doch einen Grund haben, für den er kämpft. Familie, Freunde, Bekannte, den Willen nicht einer von Vielen zu sein. Ich sehe Marco an, dass er es nicht über sein Herz bringen kann diesem Menschen etwas zu tun.

"Kommst du jetzt oder was?! Na loooooos!", brüllt er wieder, "Oder hast du etwa Angst? Haha. Du wirst sowieso nicht lebend hier heraus kommen!" Weitere Schüssen prallen auf dem Boden neben Marcos Position ein. Ihm ist anzusehen wie er mit sich selbst kämpft. Seine Hände umklammern verkrampft seine Waffe, Schweißperlen gleiten über seine Stirn und seine Augen sind zugekniffen, doch als die Schüsse pausieren setzt er zum Schuss an. Er befreit diese arme verlorene Seele und gewährt ihr Ruhe zu finden, bevor sie ein schlimmeres Schicksal erleidet. Er steht auf und geht langsam auf den Leichnam zu, faltet dessen Hände auf dem Brustkorb zusammen und wischt über das Gesicht um die Augen zu schließen. Dann hält er einen Moment inne und betet, bittet um Ruhe und Frieden und bedankt sich für sein Leben und die Waffe die ihm so zuteil wurde. Nach einer kurzen Weile kommt er auf mich zu, schaut mich kurz an und reibt seine Hände aneinander. Ihm ist anzumerken, wie schwer dieser Schritt für ihn war und wie sehr ihn das ganze mitgenommen hat. Er gibt mir die Waffe und etwas Munition. Verlangt er etwa von mir, dass ich das selbe tue? Nein, das könnte ich nicht, niemals.

"Nimm schon, bitte. Damit kannst du dich wenigstens verteidigen, wenn es mal hart auf hart kommen sollte." Ich nehme die Waffe an mich, mustere sie und lege sie mir um die Schulter. Wie es ihm wohl geht und was er denkt, wie er sich wohl fühlt. Ich möchte ihn nicht fragen, denn ich glaube einen Menschen zu erschießen ist Last genug, die man zu tragen hat. Wo uns unser Weg hinführt wissen wir noch nicht, doch sicher ist, dass wir diese Stadt für jetzt und vielleicht, so das Schicksal will, für immer verlassen werden.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »SwonVIP« (31.01.2015, 13:55)