Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: myDayZ.de - DayZ Forum (deutsch/english). Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

18.02.2013, 01:03

DayZ Blog: Allein sein auf Raten #5 - Anders denken, anders Handeln



Autor: Bastet


Es ist bereits dunkel geworden, während wir durch die weiter Wälder streifen. Auch die Kälte der Nacht setzt langsam ein und wenn man sich nur lange genug die Blätter der Bäume ansieht, meint man sehen zu können, wie langsam der Tau zu Eis wird. Durch das feuchte Laub stapfend kommen wir am Ende des Waldes an, an dem sich eine Straße langzieht. Ein gigantischer Turm ragt aus einem anderen Stück Wald vor uns.

"Dort oben könnten wir uns für die Nacht niederlassen", sagte Marco zu mir und setzte seinen Weg fort. Ich stimmte ihm mit einem Nicken zu und ging langsam hinter ihm her. Unsicher ob wir die Straße entlanggehen sollen oder uns durch den Wald diesem Turm nähern schlender wir vorran. Es ist still und die einzigen Geräusche, die zu vernehmen sind, sind die des Windes und das Rascheln der Blätter und Felder. Marco bleibt stehen, kniet sich vor mich und kramt in seinem Rucksack herum, bis er eine Taschenlampe hervorzieht, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Sie wirft rotes Licht und ist nicht so hell wie eine normale Taschenlampe, obwohl man dennoch alles um sich herum sehr gut erkennen kann. Er leuchtet mich an.

"Haha, in dem Licht sieht jeder Mensch direkt anders aus", sagte er, "Na gut, wir werden nun an der Straße entlanggehen, aber im Wald. So haben wir einen Punkt an dem wir uns weiter orientieren können. Wenn wir oben sind, versuchen wir in den Turm zu kommen, vorrausgesetzt, dass er nicht abgesperrt oder verschlossen ist. Okay?" Er schaute mich fragend an. Wieder nicke ich und wir gehen weiter.

Kurz bevor wir oben angekommen sind, vernehmen wir klappernde un klirrende Geräusche, so, als würde Glas zerbrechen und metallische Gegenstände aneinander schlagen. Marco hält sich geduckt und geht langsam zu der Mauer, welche sich oben um den Turm herum zieht und wirft einen Blick durch ein kleines Loch. Er winkt mich herüber und auch ich werfe einen Blick hindurch. Vom ersten Schrecken erholt wird mir die schlimmen Vorahnung, dass auch hier oben die Untoten sind, genommen. Ein Wildschwein wühlt mit seiner Nase in den Scherben und Schrotthaufen herum, wahrscheinlich auf der Suche nach Futter oder etwas zu trinken. Ich beobachte es für eine Weile und will gerade meinen Weg fortsetzen, als sich eine Bestie auf das Schwein wirft. Das Schwein wird zerfleischt, während es weinende, schmerzerfüllte Schreie von sich gibt. Ich will wegschauen, doch mein Blick ist starr und gebunden an diese Szene, die sich gerade vor meinen Augen abspielt. Es versucht sich zu wehren und schreit lauter, als wolle es nach Hilfe rufen. Plötzlich ein lautes Knacken und von einem auf den anderen Moment wird es ruhig. Nur noch das nachhallen der Schreie ist zu vernehmen. Ich gehe einen Schritt von der Mauer weg und drehe meinen Kopf zu Marco, welcher mich daraufhin in die Arme schließt und mir sanft über den Kopf streichelt.

"Sht. Sowas passiert nunmal und dagegen kannst du nichts tun. Beruhige dich. Wir gehen einfach weiter und suchen uns einen anderen Platz", flüstert er, doch das will ich nicht. Ich drücke ihn zurück und bitte ihn um seine Waffe, welche er mir auch ohne zu zögern gibt. Sie wird immerhin leiser sein, als die Schrotflinte, die der Verrückte in Chernogorsk dabei hatte. Leise an der Mauer vorbeischleichend komme ich an ein Tor und mit der Waffe im Anschlag blicke ich auf die Stelle, an der sich der Zombie sattfrist. Bevor ich den ersten Schuss abgebe suche ich das Gelände nach weiteren Ungeheuern ab, doch er scheint alleine zu sein. Wohlmöglich hat er sich verlaufen oder schlimmer, er war ein Mensch als er hier ankam und wurde erst danach von dem Virus zerfressen. Ich lege an und versuche auf seinen Kopf zu zielen, welcher jedoch nicht zu erfassen ist. Weiter mit der Waffe auf den Zombie gerichtet gehe ich ein Stück weiter am Tor entlang, bis ich auf einen Ast trete. Ich zucke zusammen und blicke auf den Zombie, welcher unverzüglich seinen Kopf nach hinten wirft. Ein blutverschmiertes Gesicht und scharfe abgewetzte Zähne in Begleitung von tiefroten Augen nehmen mich ins Visier. Er reißt seinen Kiefer auf und ein lauter Schrei ertönt, als er plötzlich aufsteht und auf mich zurennt. Ich weiß im ersten Moment nicht wie mir geschieht, doch schnell wieder gefangen, lege ich an, ziele und verpasse dem Monster einen Kopfschuss. Der Kopf zerfällt sofort zu Brei während der Körper noch einige Meter weiterläuft und letzten Endes auch zu Boden geht. Nun kommt auch Marco zu mir.

"Ist alles ok?", fragt er mich musternd.
"Ja, alles bestens", entgegne ich ihm mit starrem Blick auf den toten Körper vor mir gerichtet. Was habe ich getan? Was ist bloß los mit mir? Am Morgen dieses Tages habe ich noch über die Grausamkeit der Menschen nachgedacht und nun bin ich auch so? Wenn ich wenigstens etwas empfinden würde in diesem Moment, wäre das alles gar nicht so schlimm, doch da ist nichts. Keine Trauer, kein schlechtes Gewissen, viel mehr Gleichgültigkeit geschmückt mit etwas Hass.
"Marco? Ist es normal, dass... Nun ja, beim Anblick dieses Wesens empfinde ich nichts. Ich meine, auch er war einmal ein Mensch, wieso ist mir das so egal?" Ich werfe einen Blick auf die Waffe, die in meinen Händen liegt und warte auf seine Antwort, während er zu mir kommt.
Er legt eine seiner Hände auf meine Schulter, die andere auf meine Hände, welche die Waffe umgreifen und schaut mich an: "Sie sind tot, nichts kann diesen Wesen mehr helfen. Entweder du tötest sie oder sie dich. Was ist dir wichtiger? Dein Leben oder deine Reinheit?" Er hat Recht mit dem was er sagt, entweder sie oder ich und ich bin definitiv noch nicht bereit zu sterben. Begleitet von diesen Gedanken gehen wir zu dem Turm und versuchen den Eingang zu öffnen.
"Geh beiseite", sagt Marco und schlägt mit dem Griff der Waffe gegen das bereits verrostende Schloss, welches nach vier Schlägen zerbricht und uns Zutritt zu dem Turm gewährt. Wir gehen hinein, klettern eine Leiter hoch und kommen auf der ersten Plattform an, in der sich einer Art Kontrollzentrum des Turms befindet. In einem kleinen Nebenraum machen wir es uns gemütlich und verbarrikadieren die Tür, denn wir wollen keinen unerwünschten Besuch. Mit dem letzten Licht, welches durch die kleinen runden Fenster hineinkommt, versuchen wir nach dem anstrengenden Tag etwas Schlaf zu bekommen, denn am nächsten Tag liegt wieder ein weiter Fußmarsch vor uns.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »SwonVIP« (31.01.2015, 13:53)