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18.02.2013, 01:04

DayZ Blog: Allein sein auf Raten #6 - Vergangenheit



Autor: Bastet


Geblendet von den ersten Lichtstrahlen, die durch die Fenster genau auf mein Gesicht fallen, öffne ich meine Augen. Ich drehe mich um zu Marco, welcher immernoch tief und fest schläft und piekse ihm ins Gesicht. Erschrocken springt er auf und sieht mich an.

"Bist du verrückt?" fragt er mich und schüttelt seinen Kopf. Dann steht er auf, öffnet die verriegelte Tür und wagt einen Schritt nach draußen. "Es scheint alles so weit sicher zu sein, zumindest hier oben." Ich gehe ihm hinterher und stelle mich an das Geländer der ersten Plattform. Es ist ein wunderschöner Morgen, selten habe ich so beruhigt geschlafen und mich danach so gut gefühlt wie in diesem Augenblick. Ich schließe meine Augen, lehne meinen Kopf nach hinten und atme tief ein. Die Luft hier oben ist rein und riecht so, als hätte man sie gerade von allen Unreinheiten gewaschen.

"Wir müssen uns anziehen, hier", sagt Marco und drückt mir meinen Tarnanzug in die Hand.
"Können wir nicht erst etwas essen, bevor wir los gehen? Der Morgen hier ist so wunderschön und solange wir ungestört sind, sollten wir die Zeit auskosten oder nicht?" entgegne ich ihm. Er kramt im Rucksack herum und zieht anschließend einen Brotlaib hervor, ebenso suche ich in meiner Tasche und hole eine Dose Nudeln heraus.
"Nudeln mit Brot. Naja, ist zwar kein schönes Frühstück, aber besser als nichts oder?" Marco nickt, holt ein Jagdmesser hervor und schneidet ein paar Scheiben vom Brotlaib ab. Danach nimmt er sich die Dose, sticht mit dem Jagdmesser hinein und säbelt sie auf. Ich muss zugeben, der Geruch von Dosenfutter am Morgen ist mehr als widerlich, aber essen muss man schließlich auch irgendwas. Wir setzen uns oben auf die Plattform, welche sich um den Turm herumzieht und genießen, mehr oder weniger, unser Frühstück im Freien. Ich merke, wie das Vertrauen zwischen mir und Marco mit jedem Moment, den wir miteinander verbringen steigt und frage ihn schließlich, wie er die ganze Geschichte erfahren hat. Er beginnt zu erzählen:

"Ich saß mit meiner Frau zu Hause am Tisch und wir haben zu Abend gegessen. Unsere Kinder waren bereits im Bett. Mein Sohn ist 6 Jahre alt und meine Tochter gerade 3 geworden. Das Radio lief im Hintergrund mit ruhiger Musik und meine Frau und ich kamen uns nach langer Zeit erfüllt von Stress und Streitigkeiten wieder etwas näher. Sie forderte mich zum Tanzen auf, als unser Song im Radio gespielt wurde. Es war wunderschön. Ich habe sie im Arm gehalten, sie ihren Kopf an meiner Schulter angelehnt. Sie flüsterte mir zu <<Ich liebe dich.>> Es war schön, sowas mal wieder von ihr zu hören. Wir waren glücklich in diesem Moment, alles war perfekt. Dann kam die Eilmeldung im Radio, dass alle Bewohner der Insel Utes unverzüglich evakuiert werden müssen. Wir wohnten in Kamenyy, ein ruhiges Örtchen am Rande der Insel. Wir warfen einen Blick aus dem Fenster und sahen schon die ersten Leute bepackt aus ihren Häusern flüchten und mit dem Auto wegfahren. Wir holten die Kinder und fuhren, wie die Nachrichtensprecher es sagten, zu dem Flughafen. Dort sollten alle mit Helikoptern zum Festland gebracht werden. Als wir dort ankamen herrschte Chaos. Jeder wollte wissen was los ist, doch das Militär durfte keine Informationen rausgeben. Dann musste sich jeder einer kurzen Untersuchung unterziehen und durfte erst danach in den Helikopter einsteigen. Wir hatten alle das Glück und durften mit einem der ersten Helikopter von der Insel herunter. Sie setzten uns am Nord-ost Flughafen ab und kehrten um, um die anderen Leute zu holen. Auch dort wurden wir kontrolliert, doch durch das Getummel und die Menschen habe ich meine Frau mit den Kindern verloren. Ich dachte sie wären bei meinen Eltern, doch da waren sie nicht. Also beschloss ich, mich nach Balota aufzumachen. Meine Mutter wohnt hier und ich dachte sie wäre vielleicht zu ihr gefahren. Aber auch hier war schon alles tot, als ich ankam und auch auf dem Weg hierhin hat man kaum mehr Menschen gesehen, obwohl hier auf dem Festland die Eilmeldung erst 2 Tage später kam. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, als nächstes mache ich mich auf zum Nord-west Flughafen, weil ich weiß, dass dort wohl weitere Maßnamen eingeleitet werden sollten."
Ich habe so gespannt zugehört, dass ich ganz vergessen habe zu essen. Wie schlimm muss es für einen Mann wohl sein, seine Familie zu verlieren? Vorallem dann, wenn man weiß, dass alles passiert sein kann. Bewundernswert, was ein Mensch alles auf sich nimmt nur um seine Liebe wiederzufinden.

"Ich bin mir bewusst, dass meine Frau und meine Kinder das gleiche Schicksal erleidet haben können wie die, die unten in den Städten umherirren. Aber daran will ich gar nicht denken. Ich werde nach ihnen suchen, bis ich sie finde, ob mit oder ohne Herzschlag. In den letzten 4 Tagen habe ich eines gelernt: Vertraue niemandem, Kämpfe für dich und für die, die du liebst und vor allem, lass ich durch nichts von deinem Weg und deinem Willen abbringen. James habe ich nervös am Flughafen nach einer 'Lilly' rufen hören und ich war seitdem mit ihm unterwegs. Alle Menschen, die wir unterwegs getroffen haben, wollten uns nichts Gutes. Wir wurden mehrere Male hintergangen, beraubt und wir standen kurz vor unserem Tod, doch jetzt sind wir hier..." Er schaut mich an, fasst sich an die Brust und fügt hinzu: "Naja... du und ich. James ruhe in Frieden." Man merkt ihm an, dass es ihn schwer mitnimmt, diesen Menschen verloren zu haben, nachdem er nicht nur ihn, sondern auch seine Familie verloren zu haben scheint. Er beißt in sein Brot, isst seine Nudeln und steht ohne ein weiteres Wort auf und zieht sich an. Dann zieht er aus seiner Tasche einen Kompass hervor, wirft einen Blick nach links und steckt ihn wieder ein.

"Los, zieh dich an. Wir haben einen weiten Weg vor uns" sagt er. Ich packe meine Sachen zusammen, schlinge den letzten Rest meines Frühstücks herunter und mache mich abreisefertig. Marco ist in der selben Zeit schon nach unten gegangen und sicherte das Gebiet um den Turm herum ab. Weit und breit ist nichts zu sehen, keine Menschen, keine Tiere, keine Zombies kein Nichts. Lediglich die Vögel sind nach wie vor zu hören und der Wind pfeift leise durch die Bäume. Wir gehen den schmalen Trampelpfad entlang, bis wir am Ende des kleinen Waldgebietes ankommen und blicken über die weiten Felder, die vor uns liegen.

"Nun denn. Wollen wir?" fragt Marco und lächelt mich an und geht auf das weite Feld. Ich nicke zustimmend, muss auch anfangen zu lächeln und laufe ihm hinterher. Manchmal tut es gut, wenn man weiß, dass da Jemand ist, auf den man sich voll und ganz verlassen kann. Auch dann, wenn man diesen Jemand gerade erst getroffen hat.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »SwonVIP« (31.01.2015, 13:52)


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