Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: myDayZ.de - DayZ Forum (deutsch/english). Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

13.09.2012, 10:50

Anfunken von Dr. Wasteland

Anfunken von Dr. Wasteland

Author: Phil

Über den Kreuzzug eines Mannes, DayZ's Zombie-Opfer zu heilen. Wie ein Offline Schauspieler ein Online Volksheld in einer postapokalyptischen Welt wurde.

Mein Avatar bleibt versteckt, eingepresst unter dem Busch wo ich ihn zuletzt gelassen habe. Ich kontrolliere, ob er noch immer von allen Seiten versteckt ist, und öffne meine Ingame-Karte. Wenn ich direkt auf mein Ziel steuere, südöstlich von meiner Position, werde ich durch zwei große Dörfer kommen. Hier in Chernarus sind diese bebauten Gebiete gefüllt mit umherstreunenden Zombies und werden durchkreuzt von Überlebenden, die nach Nahrung und Ausrüstung suchen.
Stattdessen entscheide ich mich dazu östlich zu gehen, entlang den niedrigen Steinmauern für eineinhalb Kilometer. Danach südlich in den Schwarzen Wald. Dort war ich noch nie, aber er ist direkt nördlich von unserem Treffpunkt und bietet mir Sichtschutz.

Ich befinde mich seit zwei Wochen in meinem dritten "Leben" in DayZ, ein Zombie-inspirierter Mod für die Militärsimulation ArmA II, welcher inzwischen über 500.000 Spieler hat obwohl er sich noch im Alpha-Stadium befindet. In diesen zwei Wochen habe ich meinen ALICE Rucksack mit allem vollgestopft, das auch nur ansatzweise für das Überleben in Chernarus notwendig ist, ohne dass ich mir die Zeit zum jagen und kochen nehmen muss: Zwei Dosen Bohnen, ein Stück Wildschweinfleisch, drei volle Kanister Wasser. Wenn ich in Probleme komme, entweder durch Menschen oder Zeds (Zombies), können mir zwei Morphium-Injektoren wieder auf die Beine helfen während die Schmerzmittel den Schock unterdrücken. Ich kann nur hoffen, dass ich meine sechs 30 Schuss fassenden Magazine für meine AK-74 bis dahin nicht komplett verbraucht habe. Notfalls habe ich noch eine defensive Granate.

Würde ich jetzt sterben, müsste ich komplett von vorne anfangen: Aufwachen am Strand, ausgerüstet mit nichts als einem einzelnen Verbandszeug und einer Taschenlampe. Tod bedeutet keine Pistole, keine Axt, keine Nahrung. Tod bedeutet eine größere Change für mehr Tod.

In dieser Lage würde es mich ein paar Tage kosten, nur wieder genug Ausrüstung zu sammeln, um wieder alleine überleben zu können; diese Zeit habe ich nicht. Außerdem verfolgen mich Erinnerungen der letzten Momente meines zweiten Lebens, alleine und gefangen in einer Scheune, umringt von Zombies - mit gebrochenen Beinen und unfähig mich zu bewegen war ich ein schneller Leckerbissen für sie.

Der letzte Gegenstand in meinem Inventar ist ein einzelner Blutbeutel, worüber ich nur schmunzeln kann. Er könnte mein Leben retten, aber nur wenn er richtig benutzt wird - und das kann man nicht selbst machen. Man braucht dafür einen anderen Spieler, dem man vertraut - und über solche stolpert man in Chernarus nur sehr selten. Deshalb wenden sich die Leute an Dr. Wasteland, den Mann, mit dem ich mich treffen will.

Das Treffen

Schon alleine zum Treffpunkt zu kommen ist ein Horror. Wenn ich die sicherere, gewundenere Route durch den Wald nehme, muss ich mehrere Nächte zu Fuß gehen. Außerdem ist "Sicherheit" hier sehr relativ. In der zentral nördlichen Sektion der 225km² Karte komme ich manchmal über Hügelspitzen, wodurch meine Silhouette für Kilometer gut sichtbar wird. In dieser Region gibt es einige Helikopter-Absturzstellen, und die Hoffnung einen zu finden, zusammen mit den dazukommendenen seltenen Waffen, zieht viele schwer bewaffnete Banditen an. Sie fahren Runden vom nordwestlichen Flugplatz, südlich durch den Supermarkt in Stary und die verlassene Kirche in Novy, dann zurück in ihre versteckten Camps in den ganz nördlichen Wäldern, während sie eifrig töten und plündern. Wenn ich mich etwas im Zick-Zack bewege und meine Geschwindigkeit variiere, sollte ich ein schwieriges Ziel für eventuelle Scharfschützen abgeben.

Nach ein paar Stunden überblicke ich Novy Sobor von der Spitze eines Hügels mit meinen Ferngläsern, während ich versuche mich zu orientieren. Ich beobachte das Dorf für gerade mal drei Minuten, da höre ich Schritte. Eins, zwei... wenigstens drei Paar Schritte laufen auf mich zu aus westlicher Richtung. Versteckt in einer Pinie, mein Rücken gegen den Stamm, riskiere ich keine Bewegung. Vier schwer bewaffnete Überlebende laufen nicht mehr als 10 Meter vor mir vorbei. Zwei haben halbautomatische Scharfschützengewehre, einer hat eine schallgedämpfte M4 und der letzte hat ein M240 Maschinengewehr. Ganz bestimmt Banditen, die gerade von ihrer Beutetour vom Flughafen zurückkommen. Die Stapfer werden immer leiser und verschwinden im Osten bevor ich bemerke, dass ich die ganze Zeit über die Luft angehalten habe - im Real Life! Ich ändere meine Route, um sie zu vermeiden.

DayZ ist ein grausames Spiel, das neue Spieler in eine Welt zwingt, ohne ihnen wirklich die Regeln zu erklären. Die meisten wissen, dass es Zombies gibt, aber wenigen ist bewusst wie schnell und hartnäckig sie sind, bis es zu spät ist. Die meisten wissen, dass Ausrüstung knapp ist, aber wenige haben eine eine Ahnung wo man auch in den sichereren Gebieten der Karte gute Waffen findet. Der leichteste Weg zu überleben ist, andere Spieler zu töten. Oft kann man andere Spieler ausnehmen, ohne auch nur einen Schuss abzugeben - man braucht nur auf die surrenden Fliegen hören, die die Körper toter Spieler immer umgeben. Manche Spieler verweigern sich aber dem Beruf eines Banditen aus Prinzip.

Nach ungefähr vier Stunden Ingame-Wanderung über zwei Tage, kann ich endlich die ausgebrannten Hüllen von Kumyrna's Häusern durch meine Ferngläser erkennen. Dort werde ich endlich den guten Doktor treffen.

Dr. Wasteland

Dr. Wasteland nimmt den schweren Weg. Er ist einer der sehr wenigen Spieler tatsächlich darauf aus, anderen Mitspielern zu helfen. Er ist der geistige Gründer einer Elitegruppe von Einsatz-Sanitätern und der Verantwortliche für die "Weiße Liste", ein Katalog der Spieler in DayZ, denen man ohne Frage komplett vertrauen kann.

Ich finde ihn versteckt in einer ausgebrannten Kirche, wo er Zombies mit einer schallgedämpften Pistole ausschaltet um mir den Weg zu ihm zu ebnen. Wir entfernen uns von den Gebäudem und den umherwandernden Untoten, raus in den Wald wo wir in Ruhe reden können. Er sieht sich nervös um, während ich unsere Konversation mitschreibe.

"Ich wurde noch nie von einem Patienten verraten", sagt er. "Nie. Wenn ich sterbe, dann meistens weil ich irgendeinen Mist baue, oder wenn mich ein Scharfschütze in einem offenen Feld erwischt."

Er holstert seine Pistole, hält aber immer noch eine monströse M249 LMG fest. Ich frage mich was sich Leute denken, wenn sie ihn an ihrer Position vorbeirennen sehen. Haben sie Angst zu feuern? Sind sie motiviert ihn niederzustrecken und seine Sachen zu schnappen?

In so einer paranoiden Welt hat auch ein Heiler seine Grenzen. "Sobald ich einen Überlebenden sehe und er sieht mich nicht, lasse ich ihn ziehen", sagt er. "Wenn er mich zuerst sieht, renne ich. Wenn wir uns beide gleichzeitig sehen und wir nahe sind, könnte es sein, dass ich schieße. Man muss sich selbst schützen."

Anti-Clan

Ich bin neugierig über die Infrastruktur der Sanitäter-Organisation. Ich frage ihn Details über den Clan, über Verstecke und Sicherheits-Häuser. In DayZ werden Charakterinformationen zusammen mit dem Inventar und der aktuellen Position auf einem einzelnen zentralen Server der Entwickler, Bohemia Interactive, gespeichert. Das heißt, dass es egal ist welchem privat gehosteten Server man joint, der Charakter ist immer am selben Platz mit derselben Ausrüstung. Das ermöglicht Exploits, z.B. Server-hopping für mehrere Versuche im Ausrüstungs-Lotto eines Ausrüstungs-Fundortes, oder ausloggen in dem Moment, in dem man unter Feuer gerät. Ich will wissen wie Dr. Wasteland und sein Sanitäter-Clan DayZ's einzigartige Architektur zu ihrem Vorteil nutzen. Er unterbricht mich jedoch und stellt klar, dass er keinen Clan startet.

"Wenn wir ein Clan wären, hätten wir mehrere Vorratsplätze über mehrere Server verteilt, aber nichts, was wir nicht bereit wären zu verlieren. Ich versuche Leute zu überzeugen, dieses Konzept nicht zu einem Clan zu machen" sagt er. "Wenn du ein Sanitäter sein willst, dann musst du nur Beweise im DayZ Forum posten, dass du jemandem geholfen hast. Wegen der Art wie ich es mache, und meiner Weigerung einen Clan zu eröffnen, haben viele Doktoren ihre eigenen Vorratsplätze. Ich weiß von ein paar Leuten dass sie ihre eigenen Camps haben, drei oder viert Doktoren zusammen. Ich weiß wo, manchmal gehe ich dorthin. Ich habe mein eigenen Zelt, abseits in der Wildnis auf einem Server, und es hat Vorräte. Aber die meisten Sanitäter auf der weißen Liste sind Selbstversorger. Und das ist auch gut so. Ich will, dass sie selbstständig auf feindlichen Terrain handeln. Ich will nicht dass sie sich registrieren oder einchecken müssen. Es ist immer noch ihr Spiel und ihre Art zu spielen."

Die ArmA II Engine erlaubt direkten Chat ingame, dadurch kann ich den fast schon flehenden Ton seiner Stimme hören, während sich die Lippen seines Avatars bewegen. Er will sicherstellen, dass ich diese Story richtig rüberbringe.

"Was hast du gegen Clans?" frage ich ihn.

"Ich spiele das Spiel alleine. Wenn ich nach Stary Sobar oder zum nordwestlichen Flugplatz will, frage ich ein paar Leute über Mumble oder Steam und wir machen uns auf den Weg. Dann trennen wir uns. Und das mündet in der Entscheidung, warum ich keinen Clan gründen will. Ich habe so eine Art Personalität, ich nenne es Unternehmergeist. In der Schule habe ich ein paar Clubs gemacht und in der Universität eine Gesellschaft, aber in dem Moment in dem ich gegangen bin, sind sie alle zerfallen. Wenn ich einen Clan eröffne... und ich bin mir sicher ich könnte das, aber ich will nicht den Zwang spüren immer für diesen Clan da zu sein. Ein Führer eines Clans hat meiner Meinung nach die Aufgabe, dem Clan zu dienen. Wenn ich das nicht jede Minute machen würde, hätte ich das Gefühl, dass ich etwas falsch mache."

Er setzt auf den Geist des Spielertypus des einsamen Wolfes und versucht durch bloße Willenskraft, eine komplett neue Rolle im Spiel zu erfinden. Seine Methode den Weg für andere zu ebnen, seine Prestige mit anderen zu teilen, erweitert die Anzahl der möglichen Rollen, in die Spieler im Spiel schlüpfen können. Wo zuvor nur Banditen und Überlebende waren, gibt es jetzt auch Retter.

Der Volksheld

Es gibt vielleicht 15 Doktoren in der Weißen Liste zu jeder Zeit, und Dr. Wasteland schätzt, dass sie zusammen um die 400 Leute gerettet haben. Für ungefähr ein Monat hat er persönlich jeden Tag vier oder fünf Rettungen am Tag durchgeführt, behauptet er. Er kennt seine Patienten nicht. Sie posten in den DayZ Foren, oder befreunden ihn auf Steam, und er entwickelt Beziehungen zu ihnen über die zwei oder drei Stunden die es kostet, sie im Spiel zu erreichen.

"Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so viel Dankbarkeit erhalten... Leute hängen sehr an ihren Charakteren. Sie sprühen vor Freude" sagt er. "'Ich war weg, da war nichts was ich tun konnte, und du bist trotzdem gekommen!' Ich bin schon einmal 13 Kilometer weit gegangen. 'Du bist gekommen, hast mich geheilt, hast mir Nahrung und Wasser gegeben, und dann bist du gegangen.' In vielerart ist das mächtig.

Die rechte Hand des Doktors nennt sich "pzrapnbeast". Dr. Wasteland zeigt ihn als Vorbild für richtiges Verhalten. "Als ich ihn getroffen habe war er recht neu, wusste aber schon eine Menge. Seit dann hat er mich als Kämpfer übertroffen. Zusammen mit ihm habe ich meinen ersten Patienten behandelt."

Wie ein echter Volksheld, ist Dr. Wasteland nicht auf materielle Güter aus. "Ich akzeptiere normalerweise keine Bezahlung," sagt er. "Mein größtes Ziel ist es zu vermeiden, dass ich meine Kunden öfter sehen muss. Warum sollte ich Dinge von ihnen nehmen, die sie zum Überleben brauchen? Das Zeug das ist jetzt habe, Nachtsichtgeräte, Entfernungsmesser,... es sind Leute denen gefällt was ich mache, die mir all das geben. Keine Patienten."

"Weit fortgeschrittene Spieler passen auf mich auf. Manchmal bringe ich mich selbst um, um schneller zur Küste zu kommen. Dann fragen Spieler sofort: 'Wer hat dich umgebracht? Den schnappen wir uns!'".

Gerade als wir unser Gespräch beenden wollen, ertönt eine heftige Explosion aus dem Osten, hinter dem Hügel zwischen Kumyrna und Staroye. Wir drehen uns beide herum, und der Doktor wechselt zur Nachtsichtbrille um weiter sehen zu können.

"Ich höre keine Schüsse. Wir sollten wahrscheinlich von hier verschwinden" sage ich, und er stimmt mir zu. Wir verabschieden uns, wünschen dem anderen viel Glück, legen uns in den Busch und loggen aus.

Zurück zur Küste

Ich sterbe sieben Tage später während ich einen Hügel raufkrieche, nicht weit entfernt von Kumyrna. Ich habe versucht ein Scharfschützennest zu flankieren, das gerade meinen Mitreisenden erledigt hat. Ich sehe sie nichtmal, nur den Rauch ihrer Gewehre ein paar Meter vor mir.

Mein viertes Leben startet und ich erwache am Strand nahe der Küstenstadt Chernogorsk. Ich bin nur mit einer Taschenlampe bewaffnet - was bedeutet, dass ich unbewaffnet bin - und sitze nur einige hundert Meter westlich von der größten, gefährlichsten Stadt in ganz Chernarus. Ich ducke mich hinter einer Steinformation.

Kriechend mache ich mich auf den Weg in die Stadt, geradewegs zu einem Marktplatz von dem ich sicher weiß, dass ich dort Streichhölzer finden werde. Ich brauche sie um ein Feuer zu entfachen, was die beste Möglichkeit darstellt warm zu bleiben und Essen zu kochen. Wenn ich nicht sehr schnell bin und sehr viel Glück habe könnte ich innerhalb weniger Minuten mein fünftes Leben beginnen.

Wenn ich wieder nördlich gehe, werde ich vorsichtiger sein. Wahrscheinlich bringe ich mehr Unterstützung beim Nahrung finden, oder vielleicht benutze ich ein paar gut platzierte Rauchgranaten um meine Bewegungen zu verschleiern, falls ich unter Beschuss gerate. Wenn alles nichts bringt, weiß ich, dass ich mich zumindest auf die Hilfe von Dr. Wasteland und den anderen Sanitätern auf seiner Weißen Liste verlassen kann. Wenigstens habe ich dann eine gute Geschichte zu erzählen.

Quelle: http://arstechnica.com/gaming/2012/07/th…y-zs-grim-world

Blog Eintrag hier kommentieren.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »SwonVIP« (31.01.2015, 14:11)


Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

0023842

Ähnliche Themen

Verwendete Tags

blog, dayz, dr wasteland