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01.03.2013, 22:30

DayZ Blog: Allein sein auf Raten #8 - Realitätsverlust



Autor: Bastet


Marco wirft einen Blick auf die Uhr und löscht das Feuer, welches wir zuvor entzündet hatten. Anschließend nimmt er seinen Rucksack, steht langsam und wackelig auf und wirft mir seine Waffe zu.
"Hier nimm, du kannst sie jetzt besser brauchen als ich. Gib mir dafür deine, dann kann ich dir Deckung geben", sagt er zu mir mit leicht keuchender und rauer Stimme und streckt seine Hand aus. Ich reiche ihm zögerlich die Waffe hinüber und nehme ihn einen Moment lang in Augenschein. Es ist seltsam, normalerweise dauert es etwas länger als 2 Tage bis der Virus sich soweit vorgearbeitet hat wie es aktuell bei Marco der Fall ist. Er muss schon vorher krank gewesen sein oder zumindest ein abgeschwächtes Immunsystem gehabt haben. Seine Haut wirkt blass und fängt langsam an kleine rote und blaue Flecken zu bilden. Sie ist rissig und seine Lippen sind sehr spröde und als wäre das nicht genug zittert er am ganzen Körper. Wenn man nicht weiß, dass er gebissen wurde, könnte man meinen, dass er ein zu starkes Medikament oder eine Droge zu sich genommen hat. Es macht mir Angst ihn in diesem Zustand der Hoffnungslosigkeit zu sehen, denn er könnte jede Sekunde schwächer werden und ich will nicht wissen, wie viel Zeit er noch hat, bevor er in den Trance ähnlichen Zustand verfällt der zwischen lebend und untot steht.
"Meinst du, du schaffst das noch bis nach oben?", frage ich ihn erfüllt von Sorge.
"Klar, mach dir um mich keine Sorgen, so einfach lasse ich mich nicht aus dem Leben reißen", erwidert er mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Doch seinem Gesichtsausdruck ist anzusehen, dass er selber bereits weiß, dass er nicht mehr lange Zeit hat um seinen Weg zu beschreiten. Das Lächeln ist ihm schwer gefallen und aufrecht zu stehen, ohne zu schwanken, fällt ihm ebenso nicht leicht.

"Versprich mir bitte nur eines…", er stockt eine Sekunde lang, atmet tief ein und langsam wieder aus, bis er schließlich meine Hand nimmt und sie auf seine Brust legt. Dann fügt er hinzu: "Wenn du das bei mir nicht mehr wahrnehmen kannst, dann bring es sofort zu Ende. Sonst werde ich nur eine Gefahr für dich. Befreie mich von den Schmerzen bevor sie mich zerfressen und ich einer von ihnen werde. Das ist keine Bitte, sondern ein Befehl. Hast du das verstanden?" Sein Herz schlägt schwach und schnell, man könnte meinen einen Kolibri unter den Händen zu halten. Ich raufe sein Hemd zusammen, lege meinen Kopf gegen seine Brust und versuche nicht zu weinen. Ich habe lange nicht mehr so viel Verbundenheit gespürt wie bei diesem Menschen, so viel Wärme, so viel Vertrauen, so viel Geborgenheit. Manchmal scheint es so, als würde alles das, was man sich gerade erarbeitet hat wie eine Seifenblase zerplatzen. Als würde alles nur geschützt durch eine ganz dünne Wand in der Luft schweben und bei dem nächsten Kontakt kaputt gehen und letzten Endes nur noch eines zurück lassen, die Leere.

"Marco, das kannst du nicht verlangen! Nicht von mir!", entgegne ich ihm in etwas lauterem Tonfall, während sich meine Finger immer mehr in dem Hemd vergreifen. "Du weißt, dass ich das nicht kann. Ich… es ist… hoffnungslos." Dann lehnt er meinen Kopf zurück, legt seinen Finger unter mein Kinn und drückt es nach oben. Er schaut mich lange an, schließt mich in den Arm und fügt ein ganz leises "Ich vertraue dir.", hinzu, woraufhin er mich in seinem Arm mit auf den Weg aus der Scheune nimmt. Ich werfe noch einen kontrollierenden Blick zurück, ob wir auch wirklich nichts vergessen haben und versuche mich währenddessen wieder zu fangen.

Angekommen am Flugplatz keucht Marco schwer, fasst sich an die Brust und stützt sich mit der anderen Hand auf seinem Knie ab. Ich bin unbeholfen und weiß nicht, was ich machen soll. Ich will ihn nicht so leiden sehen, ihm helfen, doch ich weiß, dass ich nichts tun kann. Er möchte diesen Schritt noch hinter sich bringen. Nach einer kurzen Pause richtet sich Marco wieder auf, immer noch schwer keuchend und schweißgebadet deutet er auf die Baracke, welche am Rande der Landebahn steht.

"Da… da werden wir… bestimmt Informationen finden. Geh rein, ich… ich gebe dir Deckung", stottert er vor sich hin und holt immer wieder schwer Luft zwischen einzelnen Wörtern. Warum geht das alles bei Marco so schnell? Das ist nicht normal. Irgendwas anderes muss mit ihm noch passiert sein oder was ist, wenn es gar kein normaler Zombie war, sondern eine Art erneut mutierte Rasse? Irgendwas ist komisch. Es ist deutlich wahrzunehmen, dass Marco mich nicht weiter in seiner Nähe haben möchte. Er drängt mich weg, bittet mich mehrfach ihn alleine zu lassen und die Baracke zu durchsuchen. Ich drehe mich immer wieder herum doch er ruft mir jedes Mal hinterher, ich soll nicht zurückblicken sondern einfach weitergehen. Ich beobachte kurz den kleinen Platz, welcher sich vor der Baracke befindet und gehe schließlich hinein, durchsuche die Schubladen Betten und Schränke nach brauchbaren Informationen oder Gegenständen. Doch hier ist nichts sonderlich Brauchbares, bis ich im letzten Raum immerhin ein GPS finde. Ich werfe einen Blick aus dem Fenster und suche nach Marco, was mich in dieser deutlich hellen Nacht nicht viel Zeit kostet. Er schleppt sich geplagt von Schmerzen in Richtung der Landebahn. Die Waffe schleift über den Boden und er umklammert das Hemd auf seiner Brust. Als er an der Tür der Baracke vorbeigeht, wirft er mir einen Blick zu. Seine Augen sind rot verfärbt und aus seiner Nase und seinen Mundwinkeln läuft bereits das erste Blut. Er starrt mich einen Moment an, lässt die Waffe fallen und bleibt wie angewurzelt stehen. Seine Blicke untersuchen meinen Körper, doch er scheint sich nicht mehr an mich zu erinnern.

Es ist soweit. Ich lege an und ziele auf seinen Kopf. Schmerzen verspürt er keine mehr, er ist befreit von seinem Leid und befindet sich in dem Zustand den ich erhoffte niemals vor mir in Person sehen zu müssen. Er löst seinen festen Griff vom Hemd und lässt seine Hand langsam nach unten fallen. Mein Finger befindet sich am Abzug, zitternd und blockiert. Irgendwas hindert mich daran diesen Menschen zu erschießen. Es ist immer noch dieses Gefühl da. Auch wenn der Mensch, dem einst dieses Gefühl gebührte, nicht mehr vor mir steht, so scheint dennoch ein Teil von ihm in diesem orientierungslosen Wesen vorhanden zu sein. Ich hole tief Luft, schließe kurz meine Augen und öffne sie wieder. Ich versuche einen Moment Ruhe zu finden, doch egal wie sehr ich es versuche, ich kann mich nicht dazu durchringen. Letztlich senke ich die Waffe ab und gehe ein paar Schritte auf Marco zu.

Doch plötzlich ist da dieses unbehagliche Gefühl, ein Gefühl, als wolle Marco mich immer noch fern von sich halten. Er hebt langsam seine rechte Hand, doch bevor er seine Bewegung zu Ende führen kann, prallt eine Kugel auf seine Stirn und frisst sich auf geradem Weg durch seinen Kopf. Es kommt mir fast vor wie eine Ewigkeit diese Szene betrachten zu müssen, eine Szene die sich Mal für Mal und immer wieder vor meinen Augen abspielt. Zuerst fällt er auf seine Knie, anschließend kippt er nach vorne weg. Wieder und wieder sehe ich es vor mir. Ich realisiere nicht mehr, was um mich herum passiert. Tränen steigen in meine Augen und ein lauter Schrei, gefüllt mit wimmernden Geräuschen kommt mir als letztes über meine Lippen: "NEEEEEEIN!"
Ich lasse meine Waffe fallen und stürze aus der Tür heraus zu Marco und packe seine Jacke. Ich rüttle ihn durch, rufe ihm zu, doch kein Anzeichen von Leben steckt mehr in ihm. Ich breche über ihm zusammen und lege weinend und ständig das Wort "Nein" wiederholend meinen Kopf auf seinen Leblosen Körper.

"Nein, verlass mich nicht! Du darfst nicht gehen!" rufe ich immer wieder vor mich hin. Dann werde ich weggezogen und nach oben gehievt, doch ich wehre mich. Ich will um alles auf der Welt bei ihm bleiben. Ich will nicht weg, nicht jetzt, nicht nachdem er dies alles für mich getan hat. Dennoch werde ich wieder an beiden Armen gepackt und von Marcos Leichnam weggezogen.
"Lasst mich in Ruhe!", schreie ich ihnen zu, "Ich will doch nur bei ihm sein…" Meine Gefühle lassen nichts anderes mehr zu als zu weinen, mein Körper ist zu schwach und mein Versuch mich nochmal zu wehren, entzieht ihm die letzte Kraft. Der Abstand zu Marco wird immer größer und ich merke, wie mein Körper ausgelaugt von Trauer, Hass, Schmerz und Erschöpfung in sich zusammensackt.
"Es war zu spät. Komm schon, bald ist es vorbei", vernehme ich noch schwummrig, bevor ich völlig mein Bewusstsein verliere.

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Lucke, Hermann

2

02.03.2013, 14:10

Zitat

"...Trance ähnlichen Zustand verfällt der zwischen lebend und untot steht."
Das ist das gleiche.

Zitat

einen Kolibri unter den Händen zu halten.
in den Händen ?

Sonst ist es gut, zuviel Gefühlsduselei wenn du mich fragst.
Allerdings hätte mich auch alles andere verwundert.

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Bastet


3

02.03.2013, 21:01

Zitat

Zitat

"...Trance ähnlichen Zustand verfällt der zwischen lebend und untot steht."
Das ist das gleiche.


das verstehe ich nicht genau. was ist das gleiche? der trance ähnliche Zustand? oder lebend untot? :O bin gerade ein wenig verwirrt. nimms mir nicht übel :)

Zitat

Zitat

einen Kolibri unter den Händen zu halten.
in den Händen ?

war mir selber auch nicht sicher ;)

Zitat

Sonst ist es gut, zuviel Gefühlsduselei wenn du mich fragst.
Allerdings hätte mich auch alles andere verwundert.


Ich sage es mal so... Ich schreibe ja grundsätzlich in dem Stil :) Bin son Gefühlsduseliger Mensch (und vor allem ne Frau xD) ich denke, dass das auch etwas ist was so meinen schreibstil ein wenig ausmacht. ich versuch eja eigentlich immer diese gefühlssachen und die gedanken mit reinzubringen :)
Aber ist natürlich nicht jedermanns Geschmacksache :3
Danke dir :D

4

05.03.2013, 14:55

Lebend und untot ist das gleiche, man weiß zwar was du meinst aber so zwangsmeckerern wie mir juckts dann in den FIngern. :)


5

06.03.2013, 01:10

asuuu ja okay :D dachte ich auch ich wusste nur leider nich wie ich das anders hätte schreiben können :x
hilf mir :D


SlowMan

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6

25.03.2013, 12:56

Hammer Hart !

Ich ab selten so eine gute "Geschichte" gelesen als diese !
Hat mich richtig gepackt und man konnte sich sehr gut in die Situation von den beiden versetzen.
War am Ende von #8 doch ziemlich erschüttert das Marco den Löffel abgeben musste ^^

Gibt’s da noch ne Fortsetzung?



Gruuuuß


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Bastet

7

04.04.2013, 04:31

Schreibe ich gerade ;)

Hatte viel privat zu tun und musste mich erstmal auf andere Dinge konzentrieren, deswegen auch jetzt erst meine Antwort.

Könnt enoch ein paar Tage dauern im schlimmsten Fall, weil ich im Moment eine schreibblockade hab, weiß nicht genau wie ich meinen aktuellen part weiterschreiben soll und er soll ja schon etwas länger werden ;) (also so wie die anderen auch) damit man was zum lesen hat.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Bastet« (04.04.2013, 04:39)