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06.04.2013, 13:43

DayZ Blog: Allein sein auf Raten #9 - Grobian



Autor: Bastet


Ich spüre etwas warmes, weiches, was sich an meine Schulter anlehnt, als ich wieder zu Bewusstsein komme. Noch ganz benommen strecke ich meinen Arm danach aus und berühre es sanft, als es plötzlich ein leises fiepsendes Geräusch von sich gibt. Ich zucke zusammen, lege meinen Kopf zur Seite und sehe das Fellknäul an, das neben mir liegt. Kurz darauf hebt es seinen Kopf, kommt näher und leckt mir freudig durch mein Gesicht. Ein Hund? Wie lange habe ich keinen Hund mehr gesehen? Es muss Ewigkeiten her sein als mir das letzte Mal einer unter die Augen gekommen ist.

Ich richte mich langsam und beschwerlich auf und werfe einen Blick in den spärlich eingerichteten Raum, in dem ich mich befinde. Meine Hand gleitet sanft über das Bettlaken, welches sich sehr weich und warm anfühlt. Der Raum ist geflutet von seichtem Licht, welches von einer an der Decke hängenden, dick mit Staub bedeckten Lampe kommt. Überall liegt Müll herum und leere Dosen und Flaschen. Ein kleiner dreckiger Tisch steht neben der Tür und ein alter, von Holzwürmern zerfressener Schrank steht daneben und auch die Fenster, durch die kaum Licht in die kleine Wohnung eindringt, sind dreckig und verschmiert.

Wie bin ich an diesen Ort gekommen? Das letzte, an das ich mich erinnere, ist Marco. An den Moment, in dem er vor mir stand und mich ansah, mit seinem leeren, emotionslosen Blick. Ich versuche mich zu erinnern, was letzte Nacht passiert ist, doch werde schnell dabei gestört.
Der Hund, der sich zuvor an meiner Schulter anlehnte, springt wie vom Blitz getroffen auf und rennt zu Tür. Winselnd und mit dem Schwanz wedelnd springt er immer wieder auf und kratzt auf dem Fußboden vor der Türe herum, welche sich daraufhin langsam öffnet. Ich lehne mich zurück und rutsche an das Ende des Bettes, bis ich eine Wand hinter mir spüre. Ich merke wie die Angst in mir hochsteigt. Bei dem Versuch zu erkennen, was dort durch die Türe hineinkommt, sehe ich nur vage Umrisse der Gestalt, welche sich langsam nach vorne bewegt, bis sie ins Licht tritt. Es ist ein Mann, groß und stark, trägt eine Waffe über seiner Schulter und einen großen Knochen in seiner Hand. Bekleidet mit einer blauen, kaputten Jeans, einem braun-karierten Hemd und einer grünen Weste, spaziert er in die Wohnung und schließt die Türe hinter sich. Er legt seine Waffe auf den kleinen Tisch neben der Tür, kniet sich hin und begrüßt seinen treuen Gefährten. Schließlich gibt er ihm den Knochen und steht ohne ein Wort zu sagen wieder auf. Er kommt auf mich zu und durchbohrt mich mit tief unter die Haut gehenden Blicken. Wer ist dieser Mann? Hat er mich hierher gebracht? Was hat er mit mir vor? Ist er einer von den Menschen, die Marco und James meinten? Ich kneife meine Augen zusammen und drehe meinen Kopf zur Seite. Langsame Schritte auf einem laut knarzenden Boden kommen immer näher an mich heran, bis ich eine kalte, raue Hand an meinem Arm spüre, welche mich von dem Bett herunterzieht.

"Nein! Ich will nicht!" rufe ich ihm zu, doch er lässt nicht von mir ab: "Lass das! Was hast du vor? Was hast du getan? Was ist mit Marco?!"

"Keine Zeit für Emotionen, komm mit oder willst du verhungern?" entgegnet er mir und wird etwas sanfter als zuvor. Die Stimme passt nicht zu seinem Äußeren. Sie ist dunkel und trägt eine Wärme in sich, die einen denken lässt, dass dieser Mensch gar nicht böse sein kann. Ich öffne meine Augen und blicke ihn an. Sein Gesicht ist vernarbt und mit etwas Blut geschmückt, seine Augen dunkelbraun, ebenso wie sein Haar und trägt einen leichten Bart, der sehr ungenau geschnitten ist. Er bringt mich zu einem kleinen Tisch in der Küche und bittet mich darum, mich hinzusetzen.

"Darf ich fragen wer du bist? Und..."
"Sssssht", unterbricht er mich und legt seinen Finger auf seinen Mund. Dann geht er langsam zu der Hintertür, welche sich neben dem Kühlschrank befindet und nimmt sich eine Schrotflinte aus einem der Regale über dem Kühlschrank. Er wirft mir einen kurzen Blick, ein verschmitztes Lachen zu und schießt daraufhin ohne zu zögern ein großes Loch in die Tür, durch das unmittelbar danach ein Untoter fällt.
"Ach Scheiße, jetzt muss ich die wieder reparieren. Dreck!" grummelt er und spuckt durch das Loch auf den Rücken des Untoten: "Nun zu deiner Frage. Ich bin Jurij, der kleine da ist Sharik und du bist?"
"Julia."
"Okay Julia, da ich nicht weiß, wie viel du von gestern noch in deinem kleinen Köpfchen hast, sag ich dir mal was passiert ist. Dein Freund, dem du scheinbar in die Arme laufen wolltest, hätte dich zerfleischt, sobald du zu nahe gekommen wärst. Wir haben ihn erschossen, schnell und schmerzlos und dich mitgenommen. Können ja so 'ne kleine, junge Lady nicht allein da draußen lassen."
Die Tatsache, dass Marco weg ist, habe ich zwar schon vorher festgestellt, aber wie genau er von uns gehen musste will einfach nicht in meinen Kopf rein. Ich hatte niemanden, bis Marco kam und alles was ich die letzten Tage hatte wurde mir nun auch genommen? Ich will in dieser Welt nicht mehr leben, aber mich auffressen lassen, das will ich auch nicht. Jurij scheint nicht gerade einer der Menschen zu sein, die man als mitfühlend bezeichnet, auch wenn seine Stimme genau das Gegenteil davon zu vermitteln versucht. Plötzlich stellt er einen Teller mit Erbsensuppe vor mich und reicht mir einen Löffel: "Hier iss was. Das stärkt dich, wir müssen später wieder hier weg."

Ich schöpfe mit dem Löffel in der Erbsensuppe herum, doch Hunger habe ich keinen. Viel mehr kämpfe ich mit meinen Gedanken, die sich immer wieder darum drehen, was ich in dieser Welt eigentlich noch suche. Alles was man hier findet, verliert man wieder, nichts bleibt einem erhalten. Außerdem, wenn ich recht überlege, hatte ich nie eine richtige Familie. Nie war jemand stolz auf mich und hat mir gesagt, wie gut oder toll ich bin. Meine Eltern haben mir nur wenig Liebe entgegengebracht und ohne Geschwister aufzuwachsen hat auch nicht immer Vorteile. Meine Besuche bei ihnen bestanden auch, mehr oder weniger, nur aus dem alltäglichen Plausch, den man halten muss. Wie geht es dir? Wie läuft es auf der Arbeit? Hast du endlich mal einen Mann gefunden? Willst du nicht lieber was anderes machen? Bist du überhaupt zu irgendwas nütze außer putzen? Ständig musste ich mir so etwas anhören. Meine Mutter löchert mich mit Fragen und mein Vater sitzt daneben, pafft an seiner Pfeife und schweigt. Vielleicht verkraftet sie, als Karrierefrau, einfach nicht, dass es auch Menschen gibt, die sich mit kleinen Dingen zufriedengeben. Die nicht immer das Beste vom Besten brauchen. Die, die einen Job haben, der glücklich macht. Von diesen Gedanken geplagt, lege ich den Löffel auf den Teller und schiebe ihn von mir weg. Jurij schaut mich fragend an: "Keinen Hunger?"
Ich schüttele meinen Kopf und zupfe mir nervös an meinem Oberteil herum.

"Willst du was trinken?"
Erneut schüttele ich meinen Kopf.

"Kann ich irgendwas anderes für dich tun?"
Wieder und wieder verneine ich.

"Verdammt kannst du vielleicht mal reden?!"

"Schrei mich nicht an!" entgegne ich ihm in dem gleichen Tonfall, den er mir vorher zugeworfen hat: "Rede normal mit mir, lass mir Zeit das alles zu realisieren okay?"
Jurij schaut mich lange an, steht auf und geht aus der Küche. Habe ich jetzt was Falsches gesagt? Ich meine, ich lasse mich doch nicht einfach so von jemandem anschreien, den ich nicht kenne. Obwohl er es bestimmt nicht böse meinte. Was mache ich denn jetzt? Ich bleibe noch eine Weile sitzen, bis ich mich dazu entschließe, ihm nachzugehen. Ich werfe einen Blick durch den Türbogen und sehen Jurij mit geschlossenen Augen auf dem Bett liegen, neben ihm Sharik, der sanft gestreichelt wird. Hunde sind eben die besten Freunde des Menschen und sie lassen dich nicht im Stich, egal was passiert. Ganz anders als Menschen, wenn die kalte Füße kriegen, sind sie weg. Am Ende hat man eh nur sich selbst, nein, nicht nur am Ende. Man hat immer nur sich Selbst. Entschlossen gehe ich in Richtung des Bettes, reiche Jurij meine Hand und will mich verabschieden, doch dieser bemerkt gar nicht, dass ich neben ihm stehe. Kurzerhand beschließe ich also, mir einfach seine Waffe zu nehmen und ihn zu verlassen, doch gerade als ich durch die Tür gehen will sagt er: "Ich würde nicht alleine gehen, an deiner Stelle." Ich drehe mich um und mustere ihn.

"Es ist gefährlich und so blauäugig, wie du durch die Gegend läufst, braucht es nicht lange, bis die Plage dich auch erwischt hat."

"So? Woher willst du wissen, dass ich das nicht alleine überlebe?"
Gerade in diesem Moment, in dem ich den Satz zu Ende führe, rast eine Kugel einer Handfeuerwaffe an meinem Kopf vorbei, die einen Zombie hinter mir genau zwischen die Augen trifft.

"Woher? Na... Daher!" sagt Jurij, mit einer leicht rauchenden Handfeuerwaffe auf seinem Schoß und einem Lächeln im Gesicht. "Komm wieder rein, schließ die Tür, mach es dir bequem und bleibe hier. Bei uns passiert dir noch am wenigsten."

Erst kann ich mich vor lauter Schreck gar nicht bewegen. Der Schuss hätte nur einige Millimeter weiter rechts sein müssen und er hätte nicht den Zombie, sondern mich getötet. Ich stapfe langsam zurück in die Wohnung, schließe die Tür hinter mir und setze mich auf den Boden. Ich weiß nicht, wie lange ich das alles noch durchhalte, aber eins weiß ich sicher: Dieser Mensch, der hier vor mir in seinem Bett liegt will mir nichts Böses, sondern mir helfen und ich denke, dass dies der einzige Weg ist, in dieser Welt nicht zu verzweifeln.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »SwonVIP« (31.01.2015, 13:41)


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Lucke

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12.04.2013, 21:30

Schreib bitte Bücher :love:

@7rust-dev

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Bastet


3

13.04.2013, 00:16

Ist zwar nicht sehr konstruktiv aber danke :D